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Bonitätsprüfung – Was Bankkunden wissen müssen

Ohne Bonitätsprüfung gibt es keinen Kredit. Die heute weitreichend standardisierte Kreditwürdigkeitsprüfung ist für viele Verbraucher allerdings ein Buch mit sieben Siegeln. Wir klären auf: Wie funktioniert eine Bonitätsprüfung? Welche Faktoren sind für die Kreditentscheidung der Bank maßgeblich? Wie können Verbraucher ihre eigene Bonität prüfen? Diese und weitere Fragen werden hier beantwortet.
Kredite gibt es nur, wenn die Bonitätsprüfung zu einem positiven Ergebnis kommt. Was genau bei einer Bonitätsprüfung passiert, wissen die meisten Bankkunden gar nicht. Die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern wird im Schatten von deren Aufmerksamkeit bei zahlreichen Vertragsabschlüssen im Alltag dokumentiert und bewertet. Ein Unternehmen aus Wiesbaden steht dabei im Mittelpunkt: Die SCHUFA verfügt über Datensätze zur Bonität von mehr als 66 Millionen deutschen Verbrauchern.

Bonitätsprüfung: Ohne SCHUFA geht fast nichts

Ohne SCHUFA können heute de facto deshalb viele Verträge nicht mehr abgeschlossen werden. Das gilt nicht nur für fast alle Ratenkredite, sondern auch für Verträge bei Mobilfunkanbietern, Kundenkonten bei Versandhäusern etc. Wo immer ein Unternehmen gegenüber einem Verbraucher in Vorleistung geht und sich damit einem Ausfallrisiko aussetzt, wird es vorab die Kreditwürdigkeit prüfen und Daten bei der SCHUFA einholen.
Die SCHUFA speichert eine Menge Daten zum Vertragsverhalten von Verbrauchern. Wer sich eine Selbstauskunft bestellt (einmal pro Jahr ist dies gemäß § 34 BDSG kostenlos möglich), sieht eine Menge im Details im Datensatz. Die SCHUFA vermerkt u.a.:
• Wo und zu welchem Zeitpunkt ein Girokonto eröffnet wurde
• Wo und zu welchem Zeitpunkt ein Kreditkartenkonto eröffnet wurde
• In welcher Höhe Kreditrahmen auf Kreditkarten eingeräumt wurden
• Ob und in welcher Höhe Ratenkredite bestehen
• Welche Banken zu welchem Zeitpunkt Kreditanfragen gestellt haben
• Ob Handels- oder Telekommunikationsunternehmen Anfragen stellen
• Ob es zu vertragswidrigem Verhalten gekommen ist
• Ob in öffentlichen Verzeichnissen bestimmte Informationen auftauchen
Die SCHUFA erfährt von fast jedem Vertragsabschluss. Ob der Auskunftei ein Vertrag gemeldet wird, lässt sich anhand der SCHUFA-Klausel in den Vertragsbedingungen erkennen. Muss eine solche Klausel akzeptiert werden, wird der Vertrag auch nach Wiesbaden gemeldet. Wer die Klausel durchstreicht oder anderweitig nicht akzeptiert, kann nicht mit einem Vertragsabschluss rechnen.
Ausnahmen bestätigen die Regel: Wer einen Mikrokredit oder Blitzkedit bei einigen ausländischen Anbietern aufnimmt, wird womöglich nicht gemeldet, weil der Anbieter nicht Vertragspartner der SCHUFA ist. Auch dann findet eine Bonitätsprüfung statt. Diese konzentriert sich dann jedoch auf Einkommensnachweise.
Besonders wichtig sind die letzten beiden Punkte in der vorangegangenen Aufzählung. Meldet ein Vertragspartner anhaltenden Zahlungsverzug (z. B. nach Kündigung und Gesamtfälligstellung eines Ratenkredits), liegt ein Negativmerkmal vor. Mit einem Negativmerkmal ist es nur noch in Ausnahmefällen möglich, Vorleistungen in Anspruch zu nehmen. Das bedeutet, dass nicht nur Ratenkreditanträge, sondern auch Mobilfunkverträge mit subventionierten Geräten und der Kauf von Ware auf Rechnung zuverlässig abgelehnt werden.
Bonitätsprüfung
Aus allen zu einer Person gespeicherten Daten wird ein Bonitätsindex für jeden einzelnen Verbraucher berechnet. Dieser auch als SCHUFA-Score bezeichnete Wert soll angeben, mit welcher statistischen Wahrscheinlichkeit eine Person ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen wird.
Der SCHUFA Score entscheidet de facto darüber, ob und zu welchen Konditionen Banken einen Kredit vergeben. Legt eine Bank den Kreditzins für alle Kunden einheitlich fest, wird sie bestimmte Scoreklassen zulassen und alle Anträge mit Scorewerten unterhalb einer festgelegten Schwelle ablehnen. Wird der Zinssatz bonitätsabhängig festgelegt, gibt es ebenfalls einen unteren Grenzwert für den Score: Verbraucher mit diesem Wert erhalten den Kredit gerade noch, müssen aber den höchsten Zinssatz zahlen. Antragsteller mit einem besseren Scorewert erhalten einen besseren Zinssatz.

Kurzfazit: Die SCHUFA erfährt von fast jedem Vertragsabschluss. Vertragswidriges Verhalten führt zu Negativmerkmalen, mit denen Kredite, aber auch Bestellen auf Rechnung und subventionierte Handys ausgeschlossen sind. Aus allen zu einer Person gespeicherten Daten berechnet die SCHUFA einen Scorewert, der die statistische Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls angeben soll.

Lässt sich der SCHUFA-Score beeinflussen?

Die SCHUFA betrachtet ihre Scorewerte als Betriebsgeheimnis und legt die genaue Zusammensetzung nicht offen. Dagegen wurde geklagt – allerdings ohne Erfolg. Der BGH hat der Auskunftei vor einigen Jahren bestätigt, dass die Geschäftsinteressen gewahrt werden dürfen. Deshalb ist es sehr schwierig, konkrete Maßnahmen zu einer aktiv erbeigeführten Verbesserung des Scorewertes zu ermitteln. Es gibt aber einige Anhaltspunkte.
Was heißt Bonität im Sinne der SCHUFA Scorewerte? Letztlich ist die Zukunft ungewiss und niemand kann mit Sicherheit voraussehen, ob eine Person ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllen wird oder nicht. Darum geht es beim Scoring auch nicht. Im Mittelpunkt steht vielmehr der Versuch, zutreffende Wahrscheinlichkeiten zu ermitteln. Banken vergeben im Privatkundengeschäft eine große Zahl von Krediten. Das Gesetz der großen Zahl besagt, dass sich die Realität auf Dauer der statistischen Prognose anpasst.
Deshalb basieren die Scoringmethoden der Auskunfteien auf dem Peer Group Prinzip. Eine Person wird mit anderen Personen in eine Kategorie eingestuft, die sehr ähnliche Merkmale aufweisen. Daraus lassen sich in Grenzen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Scores ziehen. Ungünstig dürfte sich eine große Zahl von Ratenzahlungen im Handel über jeweils relativ kleine Kreditbeträge auswirken. Der Grund liegt auf der Hand: Dieses Profil dürfte in Haushalten mit häufigen Zahlungsschwierigkeiten überproportional anzutreffen sein.
Ungünstig sind wahrscheinlich auch zu viele Kreditkarten und Girokonten sowie deren häufiger Wechsel. Günstig für das Ergebnis der Bonitätsprüfung sind dagegen – das teilt die SCHUFA offen mit – pünktlich zurückgezahlte Ratenkredite. Diese fließen noch für mehrere Jahre in die Berechnung der Wahrscheinlichkeitswerte ein.

Kurzfazit: Der SCHUFA-Score ist weitgehend geheim. Ungünstig wirken sich zu viele kleine Kredite, günstig eine lange Kredithistorie mit pünktlich getilgten Darlehen aus.

Geo Scoring: Kein Kredit wegen schlechter Nachbarschaft?

Die Bonitätsprüfung kann negativ ausfallen, wenn zu einer Person noch gar keine Daten vorliegen. Das ist zum Beispiel bei gerade volljährig gewordenen Verbrauchern der Fall. Auskunfteien werten deshalb in einigen Fällen Daten aus, die mit dem Vertragsverhalten einer Person gar nichts zu tun haben, dennoch aber Hinweise auf Ausfallwahrscheinlichkeiten liefern sollen. Solche Verfahren werden auch als Geo Scoring bezeichnet und sind als bislang nur peripherer Bestandteil der Bonitätsprüfung sehr umstritten.
Bei einer Bonitätsprüfung mittels Geo Scoring werden Daten zum Wohnumfeld herangezogen. Wie viele Verbraucher in der unmittelbaren Nachbarschaft haben in den letzten zwölf Monaten Rechnungen nicht pünktlich bezahlt? Welche Fahrzeuge sind in der Gegend angemeldet? Wie viele Einbrüche gab es? Diese und weitere Fragen beantworten sich Auskunfteien auch mithilfe der Versicherungswirtschaft.

Kurzfazit: Beim Geo Scoring werden Daten zum Wohnumfeld ausgewertet: Zahlen die Nachbarn ihre Rechnungen nicht oder sind in der Gegen viele geringwertige Fahrzeuge angemeldet, kann dies die Bonität verschlechtern. Geo Scoring wird in der Praxis auf dem deutschen Markt wenig eingesetzt.

Einkommen und Beschäftigungsstatus bei der Bonitätsprüfung

Zur Bonitätsprüfung gehören nicht nur elektronisch durchgeführte Abfragen bei Auskunfteien. Unverzichtbar ist fast immer eine Selbstauskunft des Antragstellers – zumindest bei Raten- und Dispositionskrediten. Wer einen Mobilfunkvertrag abschließen, im Versandhandel auf Rechnung bestellen oder einen Point of Sale Kredit über maximal 500 Euro im Handel aufnehmen will, muss selten Einkünfte nachweisen. Dasselbe gilt, wenn ein Expresskredit in dreistelliger Höhe bei einem Anbieter von Payday Loans beantragt wird.
Die meisten Banken setzen ein unbefristetes und außerhalb der Probezeit befindliches Anstellungsverhältnis voraus und vergeben nur unter dieser Bedingung Kredite. Selbständige erhalten bei sehr viel weniger Banken Darlehen. Das liegt keinesfalls allein an der statistisch gesehen höheren Kreditausfallrate von gewerbetreibenden oder freiberuflich tätigen Kunden. Ein wesentlicher Grund ist auch die weitreichende Standardisierung des Kreditgeschäfts. Die Bonitätsprüfung bei Selbständigen erfordert deutlich mehr Aufwand als bei Angestellten.
Bonitätsprüfung online
Neben dem Beschäftigungsstatus ist die Höhe des erzielten Einkommens entscheidend. Typischerweise verlangen Banken von Alleinstehenden ohne Unterhalts- und Kreditverpflichtungen ein monatliches Nettoeinkommen in Höhe von ca. 1.100 EUR. Diese Höhe ist nicht willkürlich gewählt, sondern orientiert sich an der Pfändungsfreigrenze. Selbständige müssen i.d.R. ein signifikant höheres Einkommen vorweisen.

Kurzfazit: Die Selbstauskunft mit Angaben zu Einnahmen und Ausgaben spielt eine wesentliche Rolle bei der Bonitätsprüfung.

Warum Banken für die Bonitätsprüfung oft Kontoauszüge verlangen

Die Einkünfte müssen nachgewiesen werden – z. B. anhand von Lohnabrechnungen. Zusätzlich verlangen viele Banken für die Bonitätsprüfung auch die Kontoauszüge des Gehaltskontos – meistens für die letzten 2-6 Monate. Zum einen wird hier zusätzlich die Höhe des monatlichen Einkommens validiert. Zum anderen prüfen Banken die Kontobewegungen im Hinblick auf regelmäßige Ausgaben und validieren damit weitere Angaben der Selbstauskunft.
Bestimmte Ereignisse können zur Ablehnung eines Kreditantrags führen. Im Zweifelsfall ist kann es dann geboten sein, den Antrag noch zurückzustellen. Zu diesen Ereignissen zählen Rücklastschriften mangels Deckung, eine Überziehung des Kontos über den mit der Bank vereinbarten Dispokredit hinaus sowie Zahlungen an Inkassobüros.

Kurzfazit: Banken überprüfen auf den Kontoauszügen die Angaben der Selbstauskunft und suchen ggf. nach kritischen Vorfällen wie Lastschriftrückgaben.

Wie unterscheiden sich Banken bei der Bonitätsprüfung?

Die Bonitätsprüfung im Geschäft mit Verbraucherkrediten läuft nicht bei allen Banken nach einem einheitlichen Muster ab. Fast alle Banken holen auf elektronischem Wege eine Bonitätsauskunft bei der SCHUFA und/oder anderen Auskunfteien ein. Keine Regel ohne Ausnahme: Einzelne Banken aus dem benachbarten Ausland vergeben Kredite auch bei negativen SCHUFA-Einträgen. Bei diesen Anbietern beschränkt sich die Bonitätsprüfung auf die Selbstauskunft und Informationen aus öffentlichen Verzeichnissen.
Einige Banken akzeptieren Selbständige, andere nicht. Bei einigen Banken müssen Angestellte mindestens 1.100 EUR pro Monat verdienen, bei anderen reichen 600 EUR aus. Einige Banken verlangen Kontoauszüge und Lohnzettel als Gehaltsnachweis, andere führen einen Bonität-Check per Algorithmus durch und lesen Kontodaten digital aus.

Kurzfazit: Banken unterscheiden sich bei Annahmekriterien und technischen Verfahren. Einige Banken führen die gesamte Bonitätsprüfung online durch, andere verlangen Lohnzettel und Kontoauszüge in Papierform.

Die eigene Bonität mit Selbstauskünften prüfen

Verbraucher sollten ihre Bonität prüfen, bevor ein Kreditantrag gestellt wird. Eine kostenlose Selbstauskunft pro Jahr kann schriftlich bzw. durch das Ausfüllen eines Formulars bei der SCHUFA angefordert werden. Die SCHUFA bietet zusätzlich einen (kostenpflichtigen) permanenten Zugang an, über den angemeldete Nutzer ihre Bonitätsauskunft online und tagesaktuell einsehen können. Fehlerhafte Informationen werden auf Antrag durch die SCHUFA gelöscht.

Kurzfazit: Die eigene Bonität kann mit Selbstauskünften geprüft werden.

Bonitätsprüfung – Was Bankkunden wissen müssen
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